Ys


von Yamato
25.07.2005

Vor langer Zeit gab es ein Inselreich, bekannt unter dem Namen Esteria, welches von großem Unheil bedroht wurde. Auf diese Insel gelang Adol Christine, ein junger Schwertkämpfer, in seinem ständigen Drang nach Abenteuern, wo er von der Legende um das Königreich von Ys und den zwei wunderschönen Göttinnen erfuhr, die in früheren Zeiten jenes Land vor allem Bösen bewahrt haben. Die Geschichte von Ys wurde von den Priestern in 6 magischen Büchern niedergeschrieben und dann vor der Habgier der sterblichen Menschen versteckt. Es heißt, wenn man alle Bücher zusammenführt, öffne sich dem Helden, der sie errungen hat, der Weg nach Ys, welches einst ein blühendes Land des Friedens und der Magie war, doch es verschwand aus der Welt. Die letzten Spuren dieser Zeit sind ein riesiger Krater auf Esteria, an dessen Rand sich ein alter Palast und der mystische Tower of the Doomed befinden. Nun versuchte ein böser Dämonenherrscher namens Dark Fact die Bücher zu finden. Seine Pläne würden das Land Esteria auf ewig in tiefste Finsternis stürzen, doch niemand im ganzen Land war tapfer genug, gegen ihn zu kämpfen. Die weise Seherin Sara suchte verzweifelt nach einem Schwertkämpfer mit dem Mut, das Land zu retten. So stand Adol dem größten Abenteuer seines Lebens gegenüber. Mutig machte er sich auf, die 6 magischen Bücher zu finden, Esteria vor den drohenden Gefahren zu bewahren und das Geheimnis um Ys aufzuklären.

Ys ist auf den ersten Blick ein klassisches Action-Adventure und lässt sich wohl am ehesten mit The Legend of Zelda vergleichen. Das Geschehen wird aus der Vogelperspektive gezeigt und ihr seid größtenteils damit beschäftigt, Rätsel zu lösen, versteckte Gegenstände zu suchen, mit Leuten zu reden und natürlich auch jede Menge Monster zu vernichten. Doch genau hierbei zeichnet sich auch schon ein großer Unterschied zum Zelda-Gameplay aus: Kommt es zum Kampf, verwendet ihr in Ys nicht etwa einen Button, um Schwerthiebe auszuteilen, sondern es genügt allein das Steuerkreuz, um die Gegner mit dem Schwert der Spielfigur zu berühren. Ob dann die Spielfigur oder der Gegner Schaden erfährt, hängt zum einen von der relativen Stärke zum Gegenüber ab und zum anderen davon, wo ihr den Gegner trefft. Beispielsweise ist das Attackieren von der Seite immer effektiver, als frontal in ein Monster reinzustürmen.

Der Schwierigkeitsgrad von Ys ist durchgängig hoch. Um euch im Verlauf des Abenteuers gegen die immer stärker werdenden Gegnerklassen behaupten zu können, müsst ihr daher immerzu fleißig Erfahrungspunkte sammeln, um schließlich den nächsten Level zu erreichen. Neben Level-Ups erhöhen natürlich auch neue Schwerter sowie Rüstungen und Schilde das Kampfpotential von Adol. Der Schild kann allerdings nicht aktiv eingesetzt werden, um etwa gegnerische Attacke abzuwehren, sondern dient lediglich dazu, den von Gegnern drohenden Schaden zu verringern. Daneben gilt es auch noch einige magische Ringe zu finden, die es euch beispielweise ermöglichen, Feinde zu verlangsamen oder Lebensenergie langsam wieder aufzufrischen.

Grafisch kann sich Ys wirklich sehen lassen. Die zu erforschenden Locations wurden farbenfroh und detailreich in Szene gesetzt und versprühen eine dichte Abenteuer-Atmosphäre. Ausgehend von der Stadt Minea, in der ihr euch z.B. mit neuen Ausrüstungsgegenständen versorgen könnt, gelangt ihr auf eine grüne Ebene voller Flüsse, Brücken und Warp Statuen, auf der es im Verlauf des Spiel einige Rätsel zu lösen gilt. Außerdem geht es von hier aus natürlich in die anderen Winkel von Esteria, wie dem Dorf Zeptic, welches direkt an den riesigen Krater angrenzt, oder die vertrackte Silbermine, in welcher der gesamte Bildschirm bis auf einen kleinen Kreis um eure Spielfigur schwarz ist, was eine beklemmende Atmosphäre erzeugt. Am Rand des Kraters gilt es dann noch die Gewölbe des alten Palastes sowie den gigantischen Tower of the Doomed zu erforschen. Letzterer ist die Endstation des Abenteuers und nimmt fast die Hälfte des gesamten Spiels ein. Hier wären wir auch schon beim größten Manko von Ys, da die Welt von Esteria insgesamt leider etwas zu klein geraten ist. Das zwingend notwendige Sammeln von Erfahrungspunkten artet dagegen stellenweise in langwierigem Monsterverdreschen aus, wodurch man die Spieldauer scheinbar künstlich in die Länge ziehen wollte.

Getrübt wird das Spiel zudem durch die laschen Animationen der Monster, deren Bewegungen in den meisten Fällen leider recht simpel daherkommen. Die zahlreichen Endgegner bilden hierbei aber eine Ausnahme, die darüber hinaus auch durch individuelles Design und abwechslungsreiche Kampftaktiken überzeugen. Der Soundtrack lässt dagegen keine Wünsche offen und besticht durch geniale Kompositionen, die das Spiel perfekt untermalen. Das Spektrum reicht dabei von ruhigen, fast schon sphärischen Klängen bis hin zu treibenden Melodien, die fast schon etwas heroisch wirken. Nicht umsonst gilt die Musik als das absolute Highlight der Ys-Serie, was die Menge an erhältlichen Musik-CDs in Hinblick auf die Qualität und den Beliebtheitsgrad verdeutlicht.

Bleibt noch zu sagen, dass Ys trotz der angesprochenen Mängel ein echter Genre-Evergreen ist. Besonders Freunde von Geschichten um mystische Kulturen und natürlich Liebhaber von guter Videospielmusik werden mit diesem Titel voll auf ihre Kosten kommen. Erwähnenswert ist auch, dass die Famicom-Version im Vergleich zu anderen Fassungen des Spiels stellenweise veränderte Rätsel, Musikstücke und Grafiken vorzuweisen hat, was diese Version speziell für Fans sehr interessant macht.


Wertung


8/10

Kommentare



Yamato
Zwar erreichte die Ys-Serie erst auf der PC-Engine echten Kultstatus, was wohl vor allem an der genialen CD-Musik und den Animésequenzen lag, doch auch mit der Famicom-Umsetzung sind Fans von traditionellen 8-Bit Action-Adventures gut beraten. Das tolle, mystische Setting und die Spitzenmusik machen das Falcom-Spiel zu einem auch heute noch fesselnden Vertreter des Genres. Schade nur, dass das Spiel stellenweise durch zwingend notwendiges Aufleveln und Geldsammeln unnötig in die Länge gezogen wurde. Ohne diese Durststrecken wäre sicherlich auch eine etwas höhere Wertung drin gewesen. Trotzdem: Fans von Zelda, Faxanadu und Co., die sich von japanischen Bildschirmtexten nicht abschrecken lassen, kommen um Ys nicht herum.