Donkey Kong Jr. Math


von Phil
14.05.2010

Auch große Helden erwischen mal einen schlechten Tag. Wer dachte, dass Donkey Kong Jet Race für die Wii den absoluten Tiefpunkt der Kariere von Nintendos affigem Helden darstellt, hat weit gefehlt. Viel weiter in der Vergangenheit muss man suchen, um auf einen Titel von noch niedrigerer Qualität zu stoßen, in dem sich der wohl berühmteste Primat der Videospielgeschichte die Ehre gab. Dabei ist der eigentliche Protagonist dieser Katastrophe sein Sohnemann – in Donkey Kong Jr. Math steuert man wie schon im zweiten Teil der Jump’n’Run-Serie den eher in Vergessenheit geratenen Nachkommen von DK. Diesmal allerdings in einem Lernspiel. Und diese hatten in vergangenen Tagen einen noch schlechteren Ruf als heute – zurecht.

Während auf aktuellen Plattformen wie dem Nintendo DS weiterhin Unmengen an schnell produzierter Billigware in diesem Genre in den Verkaufsregalen ihr Unwesen treiben, gibt es dennoch immer wieder positive Beispiele wie die Dr. Kawashima-Reihe oder die Brain Age-Serie. In vergangenen Tagen suchte man nach liebevoll produzierten Vertretern des Genres jedoch ausnahmslos vergeblich – zumindest auf Konsolen und Handhelds. Man hatte eher das Gefühl, dass einige Entwickler dem Quengeln von genervten Eltern und deren Behauptungen, Videospiele würden ihre Kinder verdummen lassen, von Zeit zu Zeit nachgaben und mit einer miesen Schnellproduktion diese vermeintliche Marktlücke zu füllen. So auch bei Donkey Kong Jr. Math, mit dem sich Nintendo nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat.

Es kann zwischen drei Spielmodi gewählt werden, wobei sich Calculate A und Calculate B stark ähneln und wahlweise allein oder zu zweit gespielt werden können. Im Einspielermodus gilt es, eine vom alten Affenherren vorgegebene Zahl durch Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division der Zahlen 1 bis 9 zu erreichen. Dies ist natürlich stets auf verschiedene Weisen möglich, wobei man Affe Junior springend und hangelnd über den Bildschirm zu den einzelnen Zahlen- und Rechenartentafeln befördert. Gelöste Aufgaben bringen dem Spieler Punkte ein; echtes Jump’n’Run-Feeling kommt hierbei jedoch nur bedingt auf – um nicht zusagen: überhaupt nicht. Genauso gut könnte man die Zahlen auf einem Taschenrechner hintereinander eintippen – das macht genauso viel Spaß und ginge schneller, anstatt Grundschularithmetik als vermeintlich lustiges Abenteuer zu tarnen. Während man in Modus A mit positiven Zahlen hantiert, wird im Gegenstück B mit negativen Zahlen hantiert. Sehr abwechslungsreich.

Wer tatsächlich jemand weiteres dazu überreden kann, einen Affen navigierend simple Rechenaufgaben zu lösen, kommt in den zweifelhaften Genuss des Zweispielermodus. Hier versucht man, in den Modi Calculate A oder B in einem Rennen gegeneinander als Erster das richtige Ergebnis durch Kombinieren von Zahlen und Rechenarten zu erhalten. Prinzipiell zwar spaßiger als alleine, aber das hat ja nicht viel zu sagen. In einem dritten Modus namens Exercise kann aus verschiedenen Aufgabentypen der vier zur Verfügung stehenden Rechenarten gewählt werden, woraufhin das Ergebnis durch Klettern an verschiedenen Lianen auf den Bildschirm gezaubert werden muss. Hierbei fällt aber nicht nur die recht verwirrende Darstellung der Aufgaben der Division negativ auf, auch die Eingabemethode der Ergebnisse wirkt einfach nur unnötig und vor allem umständlich – vor allem anfangs wird man eher daran scheitern, das richtige Endergebnis korrekt einzugeben, als dieses zu berechnen.

Viel mehr an Variation bietet Donkey Kong Jr. Math dann auch nicht. Zum Sound und zur grafischen Darstellung sei immerhin erwähnt, dass sich das Spiel in diesen Aspekten zumindest nicht negativ von der Jump’n’Run-Serie abhebt. Rein spielerisch gesehen aber handelt es sich um einen uninspirierten Versuch, einen Kompromiss zwischen Spiel und Lernen zu erreichen. Unglücklicherweise wird der Titel keinem dieser beiden Aspekte wirklich gerecht – die Aufgaben sind hierfür einfach zu simpel und repetitiv. Eine Daseinsberechtigung hat der kuriose Ausflug von Nintendos Affen ins Reich der Mathematik also nicht. Vielleicht ist Donkeys Sohnemann auch deshalb eher auf dem karrieremäßigen Abstellgleis gelandet – neben seinen Auftritten in Super Mario Markt (SNES), Mario Tennis (VB und N64) und einigen Game & Watch Galleries (GB) wurde ihm bislang nicht mehr viel Aufmerksamkeit geschenkt. Vielmehr wurde er durch die Affenbande um Diddy und Co. aus dem Hause Rare nach und nach ersetzt.


Wertung


2/10

Kommentare



Phil
Dass Affen im Tierreich durchaus zu den intelligenten Spezies gehören, war ja schon länger bekannt. Dass sie aber in der Lage sind, den Anweisungen eines Vogels (!) folgend arithmetische Probleme zu lösen, ist dann doch verblüffend. Weniger erstaunlich ist, dass dies kaum Spaß macht. Kein Wunder also, dass sich selbst der damalige Rivale Mario für einen Gastauftritt zu schade war. Abgesehen vom merkwürdigen Gebrauch der Donkey Kong-Lizenz ist an diesem Titel leider nichts, was einen länger bei der Stange halten könnte.