Reinigungstipps


von Yamato
12.11.2001

Welcher NES-Fan kennt das nicht? Ihr steckt ein Game in den Modulschacht und werdet nach dem Einschalten mit einem grauen Bildschirm konfrontiert, anstatt das eigentliche Spiel zocken zu können. Ihr nehmt das Modul heraus, pustet kräftig über die Kontakte und steckt es wieder in die Konsole. Vielleicht ist der graue Bildschirm nun futsch, doch dafür wimmelt es nur so von nie gesehenen Grafikfehlern. Oder die Power-Anzeige blinkt und die Konsole startet nun ständig neu. Vielleicht steckt das Modul ja nicht feste genug im Cartridge-Slot? Also das Spiel wieder raus, noch einmal kurz drüber gepustet und kräftig in das NES zurückschieben. Nachdem das Game nun ENDLICH läuft, stürzt es nach einer Weile auch noch mitten im Geschehen ab...

Frustriert fragt ihr euch nun, was das Ganze soll und wie ih derartige Probleme umgehen könnt. Aber lasst nicht euren Schädel qualmen, sondern legt selbst Hand an! In diesem Feature möchten wir euch an unseren eigenen Erfahrungen teilhaben lassen und gehen nicht nur darauf ein, wie das beschriebene Problem entsteht, sondern liefern euch auch bewährte Lösungen. Denn nichts ist ärgerlicher, als der Ausfall einer heißgeliebten Konsole.


Wie das Problem entsteht


Das Problem verursacht die Hardware-Architektur des NES, welche extrem sensibel auf verschmutzte Cartridge-Kontakte reagiert. Selbst sorgfältig behandelte Module können nach etlichen Jahren plötzlich ausfallen, da durch die Oxidation der Kontakte eine Art Schmutzfilm entsteht. Zudem werden Verschmutzung mit der Zeit auch auf den Pin-Connector innerhalb der NES-Konsole übertragen, sodass auch zuvor gründlich gereinigte Module mitunter am Abspielen gehindert werden. Somit müssen im Zweifelsfall nicht nur die Modulkontakte, sondern auch der Pin-Connector gereinigt werden, was ohne eine Öffnung des Gehäuses aber nicht realisierbar ist.


Lösungen


Es liegt nahe, dass wir um eine gründliche Säuberung der Modulkontakte nicht herum kommen. Nun wäre wohl der richtige Zeitpunkt für das offizielle Cleaning Kit von Nintendo gewesen, doch wohl die wenigstens dürften sich glücklich schätzen, dieses zu besitzen. Also müssen wir selbst an die Arbeit und mixen uns ein geeignetes Reinigungsmittel...


Reinigung eines Moduls:

Tränkt die Spitze eines Wattestäbchens in eine verdünnte Isopropylalkohol-Mischung und rubbelt damit anschließend den Schmutz von beiden Seiten der Modulkontakte. Alternativ könnt ihr die Kontakte auch mit speziellem Kontaktreiniger säubern. Achtet dann aber unbedingt darauf, dass dieses nicht fettend sind, da der Datenträger dadurch in Mitleidenschaft gezogen werden würde (wir danken unserem Leser Josef Poley für den Hinweis). Ihr werdet erstaunt sein, wie viel Schmutz sich von den Kontakten entfernen lässt, sodass ihr möglicherweise mehrere Wattestäbchen für ein einziges Spiel benötigen werdet. Sollte sich kein Schmutz mehr durch relativ kräftiges Reiben zeigen, könnt ihr die Kontakte entweder mit einem Fön vorsichtig trocknen oder einige Zeit warten. In der Regel sollte euer Modul jetzt wieder so gut funktionieren, als wenn es gerade erst neu gekauft worden wäre. Falls nicht, solltet ihr noch einmal die Modulkontakte auf ihre Sauberkeit prüfen und ggf. intensiver reinigen. Falls dies nichts bringt, muss der Pin-Connector innerhalb des NES wie folgt gereinigt werden...

Mit einfachen Haushaltsmitteln zum Erfolg!

Reinigung des Pin-Connectors:

Hierbei wird es natürlich etwas schwieriger, da der Cartridge-Slot im Inneren der Konsole liegt und daher mit bloßen Händen nicht erreichbar ist. Ihr müsst deshalb die Schrauben auf der Unterseite des NES lösen, um den Deckel abnehmen zu können. Anschließend entfernt ihr das silberne Schutzblech, sodass ihr den Pin-Connector von Hand reinigen könnt. Hierzu könnt ihr beispielsweise ein feuchtes Brillenputztuch um eine Checkkarte wickeln und diese dann einige Male in den Pin-Connector schieben. Auch kann man gut eine in Alkohol getränkte weiche Zahnbürste verwenden, um die Kontakte zu säubern. Nach dem Trocknen befestigt ihr wieder das Schutzblech und setzt die Konsole zusammen.

Entfernung des Schutzblechs


Reparatur / Austausch des Pin-Connectors:

Nachdem ihr all dies getan habt, sollten eure NES-Spiele wieder problemlos funktionieren. Andernfalls wird das Problem wahrscheinlich daher rühren, dass die Kontakte des Pin-Connector ausgeleiert sind. In diesem Fall können diese mit einer gekrümmten Sicherheitsnadel vorsichtig(!) wieder etwas nach oben gebogen werden, wie es z.B. in diesem Video beschrieben wird. Wird haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht.

Falls euch dieses Vorgehen zu heikel ist, wäre der Austausch des Pin-Connectors noch eine letzte Möglichkeit. Dazu müsst ihr den Connector einfach nur von der Platine ziehen. Neue 71-Pin-Connectoren erhaltet ihr z.B. bei Ebay. Dieser Austausch sollte allerdings wirklich nur die allerletzte Möglichkeit darstellen, da die Qualität bzw. Langlebigkeit der Fremdanbieter-Connectoren im Vergleich mit der originalen Nintendo-Hardware eventuell zu wünschen übrig lassen kann. Dies wird dann die Zeit zeigen.


Fazit


Wir hoffen, dass euch diese Tipps weiterhelfen konnten. In Zukunft solltet ihr es übrigens dringend vermeiden, bei Problemen über die Kontakte drüber zu pusten. Zwar kann dies kurzfristig Abhilfe verschaffen, allerdings können durch das Pusten kleinste (säurehaltige) Speichelpartikel auf die Modulkontakte übertragen werden, welche diese dann mit der Zeit angreifen. Besser ist es daher, direkt wie oben beschrieben mit geeigneten Reinigungsmitteln das Problem anzugehen, um so erst gar keinen Schmutz mehr in die Konsole gelangen zu lassen.

Wir wünschen euch noch viel Freude mit eurem NES!